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Das östliche Mecklenburg und Vorpommern wurden von den slawischen Stämmen der Wilzen bevölkert. Die slawische Landnahme im Raum Mecklenburg - Strelitz ( Neustrelitz ) erfolgte mit sehr umfangreichen Bevölkerungsgruppen. Wir kennen aus dieser Anfangsphase zahlreiche Siedlungsstellen. Sie liegen überwiegend in unmittelbarer Gewässernähe. Für die altslawische Zeit sind bei den Wilzen die großräumigen Burgen typisch. Sie bestehen in der Regel aus einer oder zwei Vorburgen sowie einem Kernwerk und umfassen durchschnittlich Flächen von 2 bis 5 ha.Diese Burgen entstanden im 7. / 8. Jahrhundert und stellten die Zentren von Siedlungskammern dar. Bei den meisten Anlagen war die Hauptburg ständig bewohnt, während aus den Vorburgen seltener Besiedlungsspuren vorliegen. Sie dienten offensichtlich als Fluchtburgen für die Bevölkerung der umliegenden Siedlungen. In den dazugehöri-gen Siedlungskammern lassen sich häufig 10 bis 20 Siedlungsplätze nachweisen. Bei dem im Raum östlich des Tollensesees, -fluß ansässigen wilzischen Stamm, handelt es sich um die Redarier. Aus ihrem Stammgebiet sind zehn Burgwälle nachgewiesen, darunter neben den bereits erwähnten Anlagen von Feldberg, Rothmühl und Ravensburg, die bekannten Befestigungen von Wittenborn, Jatzke, Quadenschönfeld und in der Lieps der Bacherswall. Die angeführten Burgen gehören zu den 95 civitates (Burgorte), auf die sich der Bayeri-sche Geograph in der Mitte des 9. Jahrhunderts bei seiner Reisebeschreibung beruft. Annähernd zum gleichen Zeitpunkt wurden alle diese Befestigungsanlagen zerstört. Das Stam-mesgebiet der Redarier deckt sich etwa mit dem heutigen Kreis Mecklenburg - Strelitz ( Neustrelitz ). Im Gegensatz zu den Nachbarstämmen, den Tollensern an der westlichen Seite vom Tollensesee und -fluß, sowie den östlichen Ucranen im Bereich der späteren Uckermark, hatte sich bei den Redariern eine zentrale Machtausübung herausgebildet, die, wie es die mittelalterlichen Schriftquellen belegen, in ihrem Hauptort Rethra lag. Den mächtigsten Stamm bei den Wilzen, seit dem 10. Jahrhundert von deutschen Chronisten auch als Lutizen bezeichnet, stellten die Redarier dar. Die schrittweise Eingliederung der slawischen Stämme in das Deutsche Reich wurde von deutscher Seite mit viel Geschick und großer Gründlichkeit vorangetrieben. Mit der Niederwerfung der großen Slawenaufstände von 939 bis 955 schien der Widerstand weitestgehend gebrochen zu sein. Da sich die Redarier jedoch nicht unterworfen hatten, forderte Kaiser Otto I. in einem Brief vom 18. Januar 968 aus Italien einen permanenten Krieg gegen sie. Annähernd 40 Jahre stand dieser Stamm im Krieg und erwiderte die ständigen Angriffe mit zum Teil ausgedehnten Kriegszügen, die bis in die Altmark reichten. Die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen des 9. und 10. Jahrhunderts verursachten bei den Slawen in Norddeutschland in starkem Maße eine Stagnation in der Wirtschaft und Kultur. Das Stammesgebiet der Redarier war im 11./12. Jahrhundert sehr dicht besiedelt. Von Rethra aus griff man in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts je nach politischer Interessenlage mit viel Geschick in die mitteleuropäische Politik ein. Aus dem Jahre 1068 ist eine Zerstörung des Heiligtums durch den Bischof Burkhardt II. aus Halberstadt bekannt. König Lothar I. führte seinen Kriegszug von 1125 ebenfalls über Rethra und erstürmte es. Doch war mit diesen militärischen Aktionen nicht der Untergang des Hauptortes vom noch bestehenden Lutizenbund verbunden. Als sich der deutsche König Konrad II. im Jahre 1147 mit einigen süddeutschen Dynastien dem vom französischen Abt Bernhard von Clairvaux aufgerufenen Orientkreuzzug zur Befreiung des heiligen Grabes anschloß, lehnten die sächsischen Fürsten eine Teilnahme unter dem Blickwinkel ab, daß sie selber noch „Völker zu Nachbarn haben, die dem schändlichen Götzendienst huldigten“. Sie verstanden es, der Kreuzzugbewegung eine neue regionale Ausrichtung zu geben mit der Zielstellung, die slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder, „entweder dem Christentum zu unterwerfen oder mit Gottes Hilfe vollständig zu vernichten“, wie es ein Magdeburger Chronist als Zeitzeuge berichtete. Der Angriff erfolgte in zwei Kriegszügen. Im Norden sollte es gegen die Obodriten gehen, im Süden zog man von Magdeburg gegen die Lutizen und Pommern. Das südliche Heer eroberte Ha-velberg, zerstörte die Burg und den Tempel von Malchow, belagerte erfolglos Demmin und kämpfte gegen die bereits seit den zwanziger Jahren des 12. Jahrhunderts christianisierte Stadt Stettin. Der Pfarrer Helmold von Bosau schreibt als Chronist dieser Zeit, daß bei den Kriegszügen Heinrich des Löwen „war keine Rede vom Christentum, sondern nur vom Gelde“. Die Verwüstungen durch diesen Krieg waren erheblich und schränkten die Widerstandskraft bei den Obodriten und Lutizen nachhaltig ein. Das Kerngebiet des Lutizenbundes wurde am Beginn der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts dem pommerschen Staat zugeordnet. Erst nach dem Vertrag von Kremmen aus dem Jahre 1236, mit dem die Übergabe der Länder Beseritz, Wustrow und Stargard an Brandenburg erfolgte, setzte die Zuwanderung deutscher Siedler in die genannten Gebiete ein. Slawische frühstädtische Zentren mit überregionaler Bedeutung finden ihre Fortsetzung in deutsch - rechtlichen Städten. In der Regel erbaute man die funktionelle Nachfolgeeinrichtung in einiger Entfernung zur slawischen Frühstadt, wodurch gewährleistet war, das beide Zentren noch eine gewisse Zeit gleichzeitig bestanden und ein allmählicher Übergang erfolgte. Die slawische Bevölkerung ist sowohl archäolo-gisch als auch in den Schriftquellen in den deutsch - rechtlichen Städten und den neuangelegten deutschen Dörfern nachgewiesen. Es folgte eine allmähliche Assimilation der Slawen und der deutschen Zuwanderer, die jedoch vielschichtig und nicht immer unkompliziert verlief.